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++ MAI / JUNI 2010 ++
Liebe Tafel-Freundinnen und Freunde,
der Ansturm ist vorbei. Nach dem rapiden Wachstum der ersten beiden Jahre ist in der Northeimer Tafel Ernüchterung eingekehrt. Die Zahl der „Einkäufe“ liegt Monat für Monat bei etwa 1.100. Das ist weit mehr, als wir ursprünglich erwartet haben. Aber wir müssen feststellen, dass manche Kunden nach der ersten Begeisterung nicht mehr kommen. Kein Bedarf mehr?
Vielleicht liegt es am Angebot. Obwohl wir aus nahezu allen Lebensmittelgeschäften in Northeim und Umgebung Waren abholen, sind hochwertige Produkte wie Fleisch und Wurst, Butter, Käse, Konserven oder Süßigkeiten knapp. Darüber klagen auch die Tafeln an anderen Orten. Manche Märkte verkaufen bestimmte Waren, die früher an die Tafeln abgegeben wurden, inzwischen selbst - zum Schleuderpreis. Da kann das gute Angebot von Backwaren, Tiefkühlkost, Obst und Gemüse nur einen begrenzten Ausgleich schaffen.
Die finanzielle Unterstützung stagniert ebenfalls. Natürlich kann die Tafel auf der Hitliste der neuen Spenden-Projekte nicht immer oben stehen. Umso mehr freuen wir uns über persönliche Initiativen und das unermessliche Kapital an Zeitspenden, das unsere Helferinnen und Helfer zur Verfügung stellen. Sie haben im vergangenen Jahr mehr als 23.000 Arbeitsstunden geleistet - nicht gerechnet Tätigkeiten wie die Betreuung der Homepage, die Arbeit des Vorstands oder auch das liebevolle Schneidern von 10 - sehr schönen - Arbeitsschürzen (Foto unten links).

Längst geht es um mehr als Nahrungsmittel. In der Tafel arbeiten bis zu 50 Menschen verschiedenster Herkunft und Religion zusammen. Ihr gemein-sames Ziel: zusammen mit anderen Einrichtungen im Raum Northeim eine Lobby zu bilden für Menschen, die es im Leben nicht so gut getroffen haben.
Wussten Sie,
- dass mehr als die Hälfte unserer Tafel-Kunden nicht in Deutschland geboren ist?
- dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Northeimer Tafel pro Arbeitstag Waren im Gewicht von mehr als einer Tonne bewegen?
- dass im vergangenen Jahr außer den Ehrenamtlichen noch 10 Ein-Euro-Kräfte mitgearbeitet haben, 4 Praktikanten, etliche Jugendliche aus Arbeit und Ausbildung sowie 5 Menschen, die nach Auflage eines Gerichts Sozialstunden bei uns abgeleistet haben?
- dass unsere Fahrer täglich mehr als 200 km unterwegs sind?
- dass die Zahl der HartzIV-Empfänger in den westdeutschen Flächenländern steigt, während sie in den ostdeutschen Flächenländern sinkt? (Quelle: Deutscher Landkreistag)
Vorstand und Mitglieder des Vereins trauern um Susanne Heltzel. Völlig unerwartet starb die Sozialarbeiterin des Tagestreffs Oase am 12. Mai im Alter von 47 Jahren. Sie hat mit ihrem Fachwissen, ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem leidenschaftlichen Engagement für sozial Benachteiligte den Aufbau der Northeimer Tafel vom ersten Tag an aktiv begleitet.
Susanne Heltzel hatte sich erst im März bei der Jahres-Mitgliederversammlung erneut in den Vorstand des Vereins Northeimer Tafel e.V. wählen lassen - zusammen mit Wolf-gang Bauer (1.Vorsitzender), Philipp-Axel Bonin (2. Vorsitzender), Jörg Müller (Kassierer), Silke Wolter und Dr. Ingrid Gralle (Beisitzende) und Heinz-Werner Begau (Betriebsleiter).
Woher kommt das Geld für die Tafel? Aus der Gewinn- und Verlustrechnung, die unser Kassierer Jörg Müller auf der Jahres-Mitgliederversammlung ausführlicher dargestellt hat:
Die Summe der Einnahmen betrug 2009
111.456,28 Euro (= 15.753,51 mehr als 2008)
Dem standen Aufwendungen in Höhe von
-112.470,03 Euro gegenüber (=35.485,98 mehr als 2008).
Das Jahresergebnis von -1.013,75 konnte durch die Rücklagen des vergangenen Jahres ausgeglichen wurden.
| Kundenbeiträge Tafel Northeim | 20.471,68 |
| Kundenbeiträge Tafel Nörten | 1.897,16 |
| Einnahmen Flaschenpfand | 2.263,73 |
| Spenden Mitglieder | 13.975,38 |
| Spenden Nichtmitglieder | 27.471,78 |
| Sachspenden | 31.194,51 |
| Personalkostenzuschuss | 11.475,00 |
| Sonstige Einnahmen | 2.707,04 |
Was macht eigentlich Nörten? In unserer „Filiale“, die wir von Northeim aus beliefern, werden nach wie vor nur am Mittwochnachmittag Lebensmittel ausgegeben. Registriert sind bisher 110 Abholberechtigte. Die Ausgabestelle ergänzt die umfangreiche Sozialarbeit des Vereins „Anker“.
Die Mitglieder des Vereins Northeimer Tafel e.V. haben das neue Lager am Schlachthausweg eingeweiht: Am 20.3. fand dort nach der Besichtigung eine fröhliche Grill-Party mit etwa 40 Personen statt.
Am 4. und 5. Juni findet das 16. Bundestreffen der Tafeln in Berlin statt. Als Delegierte der Northeimer Tafel werden P.A. Bonin und S. Wolter teilnehmen.
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Dass die Tafeln eine Not-Lösung sind, muss schon Kurt Tucholsky vor Augen gehabt haben. Er schrieb vor mehr als 70 Jahren:
„Wohltätigkeit ist zwar immer ein Zeichen dafür, dass etwas faul ist im Staate. Aber ich muss doch sagen, dass es mir heilsamer erscheint, bis zur endgültigen Lösung der sozialen Frage wenigstens persönlich etwas, ein klein wenig nur, für die Armen und Heruntergepolterten zu tun, als einfach
die Hände in den Schoß zu legen.“
Wir haben den Eindruck, dass Sie das auch so sehen, und freuen uns über Ihre Unterstützung.
Mit herzlichen Grüßen, auch von den Vorstandsmitgliedern der Tafel,
Helmut Donsbach
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